LesART - Blog

Höhepunkte der LesART 2016 - ein filmischer Rückblick

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Esslinger Literaturtage LesART - Nachlese 2017
Christoph Ransmayr | Cox oder Der Lauf der Zeit
Mit “Cox oder Der Lauf der Zeit” legt Christoph Ransmayr einen farbenprächtigen Roman über einen maßlosen Kaiser von China und einen englischen Uhrmacher vor, über die Vergänglichkeit und das Geheimnis, dass nur das Erzählen über die Zeit triumphieren kann.
In einem Gespräch bei Druckfrisch mit Denis Scheck gibt der Autor Auskunft über die Entstehungsgeschichte und die Hintergründe zu seinem Roman.
hier
Am Mittwoch, den 1. Februar, stellt Christoph Ransmayr um 20 Uhr im Schauspielhaus der WLB, Strohstrasse 1, seinen Roman vor.

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GESEHEN | Isabel Abedi bei den Esslinger Literaturtagen

Lola live.
Wenn Lola auf Tour geht, dann bringt sie ihre ihre Mama, also ihre Erfinderin, natürlich mit. Und so war Isabel Abedi kürzlich im schönen Esslingen am Neckar zu Gast und hat in mehreren Lesungen viele Kinder mit kleinen und großen Abenteuern aus dem Leben ihrer Lola bestens unterhalten.

Die Lesung
Während der 22. Esslinger Literaturtage fanden im November (und noch bis Anfang Dezember) 2016 Dutzende von Lesungen für große und kleine Bücherfreunde statt, viele davon hinter den dicken Mauern des altehrwürdigen Gebäudes, in dem die Esslinger Stadtbücherei untergebracht ist.

Die ganze Geschichte hier

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Wilhelm Genazino ist seit vielen Jahren ein gern gesehener Gast bei der LesART. Für sein umfangreiches Werk wurde er vielfach ausgezeichnet. Unter anderem mit dem bedeutendsten deutschen Literaturpreis, dem Georg-Büchner-Preis.

In seiner Dankesrede stellt er eine Analogie zwischen Literatur und Gebet her. Anbei ein Auszug:

„Noch im gleichen Jahr, immer noch mit vierzehn, im sogenannten Konfirmandenunterricht, sah ich zum ersten Mal betende Menschen. Ich selbst betete nicht, ich war areligiös, wenn nicht antireligiös erzogen worden, ich sah den anderen beim Beten zu und wunderte mich. Bekanntlich hat jemand, der betet, die Vorstellung, er befinde sich in einem Gespräch mit Gott. Es stört die Betenden nicht, daß der, mit dem sie reden, nicht antwortet. Im Gegenteil, das Schweigen Gottes wird als außerordentlich hingegebenes Zuhören und das Vernehmen des Schweigens durch den Betenden wird als ungesprochene Antwort empfunden. Für unbeteiligt Außenstehende stellt sich die Sache einfacher dar. Für sie sprechen die Betenden nicht mit Gott, sie sprechen nur mit sich. Vermutlich reden sie nicht einmal mit sich, sondern sie reden nur an sich hin. Diese nüchterne Auslegung ist nicht völlig befriedigend. Es bleibt ein Zwiespalt zurück, der sich der mangelhaften Durchschaubarkeit des Geschehens verdankt. Ich spreche von diesem Zwiespalt, weil ich viele Jahre später den Einfall hatte: Auch die Literatur ist Gebet. Für die Analogie müssen wir uns den religiösen Hintergrund nicht einmal vollständig wegdenken. Die Beharrlichkeit der Literatur, ihr unerschütterliches Moment, ist selber quasi religiös.“


Link zur Dankesrede:
Der Untrost und die Untröstlichkeit der Literatur hier

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Kathrin Röggla

Die österreichische Autorin Kathrin Röggla ist nicht nur eine der bedeutendsten und vielgespielten deutschsprachigen TheaterautorInnen der Gegenwart. Auch mit ihren zeitkritischen Prosatexten hat sie sich in der literarischen Öffentlichkeit einen Namen als kluge und politisch denkende Autorin gemacht.
Aktuell erscheint in der Neuen Zürcher Zeitung ein Artikel von Kathrin Röggla zu ihrer Poetikvorlesung mit dem Titel „Fiktionalisierung der Welt und ihr Gegenteil“.
Folgend ein Ausschnitt daraus.
Die Konstruktion politischer Narrative hält sich immer noch streng an Shakespeare oder an Machiavelli, selbst wenn die Geschichten über soziale Netzwerke und Online-Foren verbreitet werden und selbst wenn sie nur noch von Algorithmen erzeugt werden, sogenannten «social bots» und Meinungsrobotern. Diese Narrative haben wenig mit den Fiktionen von Ingeborg Bachmann, A. L. Kennedy, Denis Johnson oder David Foster Wallace zu tun, um einmal solche höchst disparaten Positionen zu nennen. Das hängt vielleicht damit zusammen, dass diese Autorinnen und Autoren mehr Zwischengeschichten entworfen haben, Geschichten, die sozusagen noch unterwegs und nicht immer schon angekommen sind, die niemals ganz im sozialen Hier und Jetzt landen können, die immer darüber hinausragen.“

Link zum Artikel in der Neuen Zürcher Zeitung hier

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Marlene Streeruwitz ist eine der bedeutendsten deutschsprachigen und zugleich politisch denkenden Schriftstellerinnen der Gegenwart. Anlässlich des Wahlausgangs in den USA hat sie einen sehr lesenswerten Essay im Standard veröffentlicht. hier

Am 16. November hielt die Autorin Marlene Streeruwitz bei der LesART ihre Laudatio auf den aktuellen Bahnwärterstipendiaten Johann Reißer. Folgend ein Zitat daraus.

"Literatur. Wie wir sie hier verstehen. Diese Literatur benötigt Demokratie. Nur in dem vertragstheoretischen Modell der Demokratie kann es die Freiheit geben, die notwendig ist, Autonomien zu entwickeln, die aber eben nicht einen Anspruch auf Totalität erheben. Das wiederum bedeutet, dass wir immer wissen sollten, ob ein Text sich dieser Freiheit bedient und sie als Text selbst wieder ermöglicht. Ob also ein Text demokratisch geschrieben, demokratisch gelesen werden kann. Oder. Ob ein Text, sei es über Form oder über Inhalt diese Freiheit angreift und im Lesen diese Gegnerschaft eingelassen ist. Es geht also um die Politik eines Texts."

Die ganze Laudatio hier.

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Doppelbegabungen: Poetische Objekte, Bilder und Texte
Ein wichtiger Programmpunkt bei der LesART ist seit Anfang an die lebendige Esslinger Literaturszene. In diesem Jahr haben wir ihr zwei Veranstaltungen gewidmet: Neben der traditionellen Abschlussveranstaltung am 3. Dezember im Jazzkeller stellen wir am 23. November in der Villa Nagel poetische Objekte, Bilder und Texte der Doppelbegabungen Angelika Hentschel und Anna Breitenbach vor. Einen weiteren Höhepunkt wird der New Yorker Pianist Aruán Ortiz an diesem Abend beisteuern. Die freie Journalistin Julia Lutzeyer hat sich in die poetische Welt von Angelika Hentschel und Anna Breitenbach begeben und den beiden Esslinger Doppelbegabungen ein literarisches Porträt gewidmet.

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Aruán Ortiz | Piano
Der kubanisch-amerikanische Pianist und Komponist Aruán Ortiz ist mitten in der aktuellen Jazzszene angekommen: Mit seinem Album „Hidden Voices“ präsentiert er einen Meilenstein des aktuellen Jazz. Der aus Santiago de Cuba stammende, von BET-Jazz als das letzte in den USA angekommene kubanische Wunderkind bezeichnet, beschreibt seine Musik als eine architektonische Struktur von Klängen, bestehend aus zeitgenössischer klassischer Musik, afro-kubanischen Rhythmen und der Jazzimprovisation. Ortiz‘ Musik deutet wohl afro-kubanische Musik und Hardcore-Jazz an, abstrahiert diese Elemente jedoch zu einer eigenen Musik.


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Anna Breitenbach und ihre erhellenden Verbalobjekte
Portrait von Julia Lutzeyer mit Gedichten der Lyrikerin und Autorin

was ich will

kleine feste
gedichte machen
die liegen mir
gut in der hand

Sie ist eine emsige Sammlerin von Alltagsschnipseln, diese Anna Breitenbach. Schriftzüge auf LKWs, veritable Fundstücke, eine mitgehörte Bestellung beim Bäcker, der sprechende und offenbar so gar nicht passende Name eines Anrufers: Scheinbar Gewöhnliches, auch Abgelauschtes springt sie an und wird von ihr flugs eingesammelt. Als sei’s ein Rohstoff (und das stimmt ja), der dann – herausgelöst, um die Ecke gedacht und in anderem Kontext – lyrisches Eigenleben entwickelt und sich zum Wortobjekt verfestigt. Mühelos zu erfassen, oft mit doppeltem Boden. Vorsicht!

zum ganzen Portrait hier

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Angelika Hentschel und der erinnerte Garten der Großeltern
Portrait von Julia Lutzeyer mit Gedichten der Lyrikerin und Arbeiten der bildenden Künstlerin

Schale

Lege dich wie ein Tuch aufs Land
In die Falten der Erde
Leicht wie Wind
Und das Licht auf der Welt

Sprenge die Schale
Und spreize die Flügel
Schaukel im Wind
Vor Glück

„Was da wächst und gedeiht kann man gar nicht besser machen“, sagt Angelika Hentschel draußen in der Sulzgrieser Natur. Ein Herbsttag, das Laub in allen Farbschattierungen, als sei man mitten im „indian summer“, und doch kleidet es längst nicht mehr die bald nackten Äste und Zweige, liegt schon zuhauf auf der mit gefallenden Äpfeln übersäten Wiese. Streuobst in Frucht und Blatt. Schon ganz durcheinandergewirbelt, die heilige Ordnung, und durchzogen mit dem ersten, noch süßlich-fruchtigen Duft der Verwesung.
Die Natur ist Angelika Hentschels Refugium. Das war schon als Kind so, das stiller als manch anderes, im großelterlichen Garten aufblühte und nicht genug bekommen konnte von all dem Wurzelnden, Sprießenden, Austreibenden und Sich-Verzweigendem. Reines Glück, eine Ur-Erfahrung! Dass manche Frauen indigener Völker Erde essen: Sie kann’s verstehen, auch wenn sie es ihnen nicht gleichtut. Schließlich hat die 1952 in Ludwigsburg geborene Künstlerin andere Wege gefunden, sich die Natur einzuverleiben. Sammelnd und bewahrend, zeichnend, malend oder druckend neu komponierend, mit ins Papier gesetzten Objekten sich ausbreitend im Raum und längst auch dichtend.

zum ganzen Portrait hier